Zu Beginn der Pandemie haben sich viele Menschen neue Hobbys zugelegt, um die durch Homeoffice und Teil-Lockdowns gewonnene Lebenszeit gut zu nutzen. Neue Zeitvertreibe sind etwa Sauerteigbrot backen, Töpfern oder Malen-nach-Zahlen. Ich hatte eigentlich vor, mehr Sport zu treiben, was durch die Schließung der Schwimmbäder irgendwie auch nicht erfolgreich war. Stattdessen war ich mit über 30 zum ersten Mal beim Hallenklettern und das scheint etwas zu sein, das mir irgendwann vielleicht richtig Spaß machen könnte. Dazu ein andermal mehr.

Seit etwa einem halben Jahr lerne ich jetzt ein Instrument spielen, eine Gitarre nämlich. Eine befreundete und sehr erfahrene Musikerin hat sich angeboten, ihr umfangreiches Wissen zu teilen und gibt kostengünstig Stunden, wir regeln das meist über Kulinarisches.

Jetzt ist es so, dass ich mich nie für einen musikalischen Menschen gehalten habe, ja sogar die Idee als lächerlich empfand, ich könnte jemals ein klangvolles Geräusch aus einem Holzkasten pressen, aber es scheint doch zu funktionieren. Zeitweise nur sehr langsam, da mir auch völlig selbst die Grundlagen der Musiktheorie fehlen, aber U. ist sehr bedacht darauf, dass die Dinge ordentlich gelernt, gesagt, gemacht und getan werden und das selbstverständlich zu recht.

Es ist jedenfalls sehr schön, etwas Neues zu lernen, gerade auch etwas musisches und ganz besonders, wenn man dachte, man lerne es halt einfach nie.

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E.

Endlich ein neues Hirn: Athens Research

Irgendwo habe ich schon erwähnt, dass ich mich seit langer Zeit immer wieder mit Ordnungssystemen auseinandersetze. Das liegt daran, dass ich immer schon, jedenfalls seit ich mich erinnern kann, das Gefühl habe, ich könnte mir nichts merken. Seit mehr als zehn Jahren versuche ich also Mittel und Wege zu finden, Wissen, kleine und große Informationen also, abzulegen und nutzbar zu machen, wie der Zettelkasten von Niklar Luhmann, aber eben digital.

Der Soziologe Niklas Luhmann ist noch heute für seine schier unendliche akademische Produktivität bekannt. Er selbst hat das zurückgeführt auf seine Arbeit mit dem (mittlerweile berühmten) Zettelkasten, einer Sammlung von Schubladen voller Karteikarten, auf denen Luhmann Informationen notierte. Diese Karten, die Zettel, korrespondieren über notierte Querverweise miteinander und liefern vergleichsweise schnell eine große Zahl an Daten und Verweisen, die dann weiter verwendet werden können. Ein analoger Hypertext sozusagen. Die Wikipedia arbeitet genau so.

Sowas brauchte ich auch. Ich habe im Lauf der Zeit viel Software zum Wissensmanagement ausprobiert, angefangen von den herkömmlichen Lösungen wie OneNote (ein wirklich schreckliches Programm, das niemand nutzen müssen sollte)1, selbstredend auch den ersten (und für viele Jahre einzigen) Digitalen Zettelkasten von Daniel Lüdecke und verschiedene andere Methoden.

Vor einigen Jahren ist mir dann ROAM auf den Bildschirm gepoppt, HALLELUJA.

Abbildung des Graph in Roam Research. In diesem Fall ist er (noch) sehr breit, weil noch im Aufbau. Zu sehen ist eine Anzahl von Lemmata mit (relativ) wenigen Querverweisen.

ROAM Research ist „a note-taking tool for networked thought“ das mit Markdown arbeitet und quasi per Tastendruck Inhalte miteinander verbindet. Dazu gibts ein ganz besonderes Feature: den Graph, mit dem man sich die handvernetzten Gedanken der Datenbank auch optisch übersichtlich anzeigen lassen kann. Bis dahin habe ich buchstäblich noch nie was ähnliches gesehen.

ROAM strukturiert Informationen auf eine Weise, die der des Gehirns ähnlich ist, nämlich engmaschig mit vielen Knotenpunkten, die Assoziationsketten entstehen lassen. Auf diese Weise werden Informationen sehr effizient miteinander in Relation gesetzt, viel effektiver als das herkömmliche Software wie beispielsweise Evernote tun, weil diese Information – genau wie OneNote – in Hierarchien ablegt, die für sich gesehen viel Information enthalten können, aber schwierig zu nutzen sind, weil der Suchenden genau klar sein muss, wo die Information abliegt. Besonders in beruflichen Kontexten kann das zum Problem werden, weshalb ein gutes Informationsmanagement für jede Organisation wahnsinnig wichtig wird.

ROAM hat aber nicht unbedingt nur Vorteile. Für Nutzerinnen, die mit Markdown nicht vertraut sind, ist die Nutzung besonders am Anfang etwas umständlich, allerdings schleifen sich die Grundlagen auch schnell ein.
Ein deutlich größerer Nachteil ist allerdings der mittlerweile sehr sportliche Preis von mindestens 165,00$ pro Jahr (ich habe als early adopter eine kostenfreie Datenbank in Benutzung) und der Tatsache, dass die Software proprietär ist.

Es ist nicht so, dass ich unbedingt für kostenfreie Lösungen bin – dafür bin ich schon zu lange auf der Suche – allerdings würde ich ungern meine persönlichen Notizen in fremde Hände geben. Natürlich ist das größtenteils belangloser Scheiß, aber wenn ein Notizbuch geklaut wird, ist das auch ein ganz schön beschissenes Gefühl. Ich hab eigentlich kein Interesse daran, das absichtlich herbeizuführen. ROAM habe ich trotzdem gute zweieinhalb Jahre gerne genutzt. Diese Art von netzwerkbasiertem Wissensmanagement ist ein Gamechanger.

Seit heute habe ich [[Athens]] in Verwendung, das eine Art Open Source-Nachbau von ROAM ist, mit ausreichend ähnlichen Funktionen und mit der (bisher eizigen) Option, die Datenbank lokal zu speichern. Bisher (in den letzten acht Stunden) funktioniert das auf MacOS reibungslos, auch über die grafische Darstellung verfügt Athens, hier in einer Kugelform und dadurch noch etwas aufgeräumter als ROAM.

Ich bin seelig.

  1. Viele Leute arbeiten ja gerne damit. Ich kann damit nicht gut arbeiten, weil es sehr behäbig in der Synchronisation ist und die vorgegebenen Strukturen (für mich) zu starr sind, um damit ordentlich arbeiten zu können. Querverweise sind mit OneNote nicht unmöglich, aber unnötig kompliziert.